Mehr Mitbestimmung der Athleten gefordert

Athletenvertreter und Athleten diskutierten mit Fachleuten im Rahmen der Vollversammlung und dem Open Forum am vergangenen Wochenende über die Rahmenbedingungen im Spitzensport.

Kernthemen sind Dauerbrenner wie die Athletenvertretung und Mitbestimmung in den Spitzenverbänden, die Athleten- & Schiedsvereinbarungen sowie Duale Karriere.

Im Open Forum stand zunächst die Athletenvertretung in den Spitzenverbänden im Mittelpunkt. Die Athletenvertreter fordern alle Spitzenverbände auf, ihre Sportlerinnen und Sportler in alle, den Leistungssport betreffende Themen, Inhalte und Ziele qualitativ mit einzubeziehen und deren Stimme auch in den Präsidien satzungsmäßig zu berücksichtigen. „Es ist nicht mehr zeitgemäß, die Maßgabe der Athleten mit ihrer Erfahrung aus Wettkampf und Training unberücksichtigt zu lassen“, so Christian Breuer, der Vorsitzende der Athletenkommission. Die Implementierung in die entsprechenden Gremien sowie die Gleichbehandlung gegenüber anderen Funktionären und Gremienmitgliedern sollte obligatorisch sein, so der Tenor der Versammlung.

Diese dringende Empfehlung unterstrich die Vorsitzende der IOC-Athletenkommission, Claudia Bokel: „Dieses Recht steht den Sportlern laut IOC-Charta zu. Ein Sportler mit einer starken Stimme ist auch immer positiv für den Verband. In der Wirkung nach außen aber auch innerhalb der eigenen Strukturen.“

Eine entsprechende Empfehlung soll im Rahmen der DOSB-Mitgliederversammlung am 6. Dezember 2014 in Dresden ausgesprochen werden. Es soll geprüft werden, ob in der laufenden Satzungsdiskussion eine derartige Sollbestimmung als Forderung der Vollversammlung mit aufgenommen werden kann.

Bessere Rahmenbedingungen für "Duale Karriere"

In einem weiteren Abschnitt konzentrierten sich die Athleten auf das Kernthema "Duale Karriere". Die Rahmenbedingungen der Spitzensportler in Deutschland stehen auf dem Prüfstand. Ernüchternd stellen die Athleten fest, dass die Medaillenbilanz von 1992 bis 2012 im olympischen Sommersport halbiert wurde.

„Das darf einfach nicht sein und kann so nicht mehr hingenommen werden“, so Christian Breuer. „Die Messlatte gibt das internationale Niveau in allen Sportarten vor und der Sport muss die Rahmenbedingungen schaffen, die wir als Athleten benötigen, um dorthin zu kommen. Die Zeit ist abgelaufen, dass wir Dinge aussitzen oder wegen Ressourcenknappheit verschieben – das können wir uns nicht mehr erlauben, wenn wir in Rio, PyoengChang, Wroclaw und Tokio erfolgreich sein wollen.“

Gemeinsam mit Janine Bischoff vom weltweit größten Personaldienstleister Adecco stellte Claudia Bokel/ IOC  den Athleten IOC Atheletes Career Programm vor. National und international stehen allen Athleten ein Lehrangebot mit über 1000 verschiedenen Online-Kursen für die individuelle Berufsvorbereitung neben dem Kontaktnetz des Unternehmens zur Verfügung.

Athletenvertreter und Athleten diskutierten mit Fachleuten und DOSB-Präsident Alfons Hörmann (m.) bei der Vollversammlung in Berlin. Foto: DOSB/Oliver Mehlis

Zudem konnte die Deutsche Sporthilfe im Rahmen des Forums erneut ihre Förderbausteine und die Initiative ´Sprungbrett Zukunft´ vorstellen.

Eine Maßgabe der Versammlung war es, die vielseitigen Programme und Angebote zur `Dualen Karriere´ effektiv miteinander zu verzahnen und den Athleten zentral zur Verfügung zu stellen. Die Athleten forderten die unterschiedlichen Partner auf, in der ´Dualen Karriere´ einen gemeinsamen Weg im Sinne der Athleten zu gehen.

Vor diesem Hintergrund stellte die Athletenkommission das auf ihre Initiative begründete Projekt der Homepage zur Dualen Karriere (www.duale-karriere.de) vor, das im Rahmen der Mitgliederversammlung des DOSB am 6. Dezember in Dresden veröffentlicht wird. Bei der Plattform wird es sich um eine zentrale Informationsplattform zur ´Dualen Karriere´ handeln, über die die Athleten alle wichtigen Informationen und Ansprechpartner mit wenigen Klicks in Erfahrung bringen können.

Athleten- und Schiedsvereinbarung überdenken

Das zurzeit sehr aktuelle Thema zur Athleten- und Schiedsvereinbarung wurde unter Beteiligung von Francesca Mazza (Generalsekretärin Deutsches Sportschiedsgericht), Holger Niese (Justiziar des DOSB), Lars Mortsiefer (Chefjustiziar Nationale Anti Doping Agentur) und Sven Nagel (Internationales und Deutsches Institut für Sportrecht) tiefgehend bearbeitet.

Den Athleten wurden die Hintergründe eines Sportschiedsgerichtes bei Doping-Streitigkeiten erläutert. Fragen zur Abwicklung, Finanzierung (Gerichtskosten, Anwaltskosten, Prozesskostenbeihilfe, Fonds), Verfahrenswegen, Beteiligten, der Einordnung von Verbandsgerichte, Sportsschiedsgericht, DIS und CAS konnten mit den Athleten besprochen werden.

Es wurde deutlich, dass vor allem die Vermischung von verschiedenen Punkten innerhalb einer Athletenvereinbarung zu Missmut bei den Athletenvertretern führt. „Es ist Zeit, die alten Vereinbarungen zu überdenken. Sport ist dynamisch, eine Vereinbarung muss sich anpassen. Unterscheidung in sportliche und wirtschaftliche Teile etc. ist zwingend notwendig“ argumentierte auch Sven Nagel.

Auch Mazza möchte aufklären, dass die Erklärung an sich nichts Schlechtes ist. Eine Schiedsvereinbarung ist häufig die bessere Wahl. Das DIS versucht immer, den besten Vertreter für den jeweiligen Fall zu finden. Es existiert keine Wahllosigkeit. Alle sollen möglichst nah an der Sache sein und haben evtl. selber sportlichen. Hintergrund. Es zählt der Vertrauensaspekt. Für Verbesserungen bei den Schiedsvereinbarungen im Sport setzt sich die Athletenkommission auch weiterhin ein. Neben dem erstellten Fragen und Antworten Katalog wird es gemeinsame Gespräche in einer Arbeitsgruppe zum Thema geben.

Die Athletenkommission hat im zurückliegenden Jahr gemeinsam mit Sven Nagel (IDIS) einen Fragen- und Antwortkatalog zur Athleten- und Schiedsvereinbarung ausgearbeitet, der in Kürze veröffentlicht wird. Im Zuge dessen werden erste Verbesserungsvorschläge im Schiedsgerichtsverfahren durch den DOSB dem internationalen Sportschiedsgericht (CAS) in Lausanne vorgeschlagen. Die Athletenkommission unterstützt dabei die Forderungen nach grundsätzlich öffentlichen Verfahren, einer umfassenden Prozesskostenhilfe für Athleten und mehr Einfluss auf die Auswahl der Schiedsrichter.. Auch DOSB-Präsident Alfons Hörmann, der der Veranstaltung einen ausgedehnten Besuch abstattete, erbat sich eine umfangreiche Diskussion auf internationaler Ebene zu diesem Thema, um eine Chancengleichheit herstellen.

Die Forderung der Athletenvertreter dazu ist, dass sie frühzeitig in die Gestaltung der Athleten- und Schiedsvereinbarung in den Verbänden eingebunden und diese gemeinsam verfasst werden. Das Mitspracherecht zu ureigenen Rechten der Athleten liegt in der Natur der Sache. Die Freiwilligkeit der Unterzeichnungen muss zweifelsfrei gegeben sein.

„Der „Kern der Schiedsgerichtsbarkeit ist die Integrität und das Vertrauen“ (Francesca Mazza) und das sollte für alle Seiten gelten, darin waren sich alle Anwesenden einig.