Die Spitzensportförderung der Bundespolizei

Die Bundespolizei fördert bis zu 160 junge und hochtalentierte Sportlerinnen und Sportler in 19 olympischen Sportarten. Mit optimalen beruflichen, sozialen und sportlichen Rahmenbedingungen möchte die Bundespolizei einen möglichst großen Beitrag für den Erfolg deutscher Mannschaften an Olympischen Spielen und internationalen Meisterschaften leisten.

Die Spitzensportförderung der Bundespolizei verbindet die Karriere als Spitzensportlerin und Spitzensportler mit beruflicher Ausbildung. Die bei der Bundespolizei geförderten Spitzensportlerinnen und -sportler üben den Hochleistungssport aus und absolvieren gleichzeitig eine Ausbildung zur Polizeivollzugsbeamtin/ zum Polizeivollzugsbeamten im mittleren Dienst. Im weiteren Karriereverlauf stehen den Sportlerinnen und Sportlern Aufstiegsmöglichkeiten in höhere Laufbahngruppen offen.

Die Bundespolizei führt die Polizeiausbildung unter Berücksichtigung der Ziele und Bedingungen des Hochleistungssports durch und garantiert den Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern einen Lebensberuf nach der sportlichen Karriere. Eigenschaften und Fähigkeiten wie Leistungsbereitschaft und Belastbarkeit, Zielstrebigkeit, Teamorientierung und Fairness, die Spitzensportlerinnen und Spitzensportler auszeichnen, sind auch und gerade im Polizeidienst gefragt.

In diesem Modell hat die Bundespolizei bereits über 600 Sportlerinnen und Sportler aus dem gesamten Bundesgebiet gefördert. Nach Abschluss der sportlichen Karriere verbleiben ca. 85 % der Athletinnen und Athleten bei der Bundespolizei.

Die Sportarten

Die Spitzensportförderung wird in 19 olympischen Sportarten angeboten: Alpiner Rennlauf, Biathlon, Nordische Kombination, Skilanglauf, Skispringen, Eisschnelllauf, Short Track, Bob, Rennrodeln, Snowboard, Judo, Leichtathletik, Radsport, Skeleton, Kanu, Rudern, Schießen, Freestyle/Skicross, Turnen.

Standorte

Die Bundespolizeisportschulen Bad Endorf (Oberbayern) und Kienbaum (Brandenburg) stellen die Personalauswahl und die Polizeiausbildung sicher. Zugleich werden die Athletinnen und Athleten in enger Abstimmung mit den zuständigen Spitzensportverbänden bei Durchführung des Trainings organisatorisch und sportfachlich betreut und unterstützt.

Die Bundespolizeisportschule Bad Endorf ist eine über Jahre gewachsene Einrichtung, die sich durch zahlreiche Aus- und Umbaumaßnahmen immer auf neuestem Stand befindet und weiter optimiert wird. Ihre regionale Lage ermöglicht es, sportartspezifische Trainingseinheiten unmittelbar an den Sport- und Wettkampfstätten der Winterdisziplinen mit den Trainingseinheiten vor Ort in Bad Endorf zu kombinieren. Umfassende und moderne Trainingseinrichtungen sowie disziplinbezogene und spezialisierte Trainingsanlagen machen die Bundespolizeisportschule Bad Endorf zu einer Einrichtung der kurzen Wege, da Trainingseinheiten während der Ausbildungsphase unmittelbar im und am Standort erfolgen können.

Die Bundespolizeisportschule Kienbaum ist örtlich angebunden an das Olympische und Paralympische Trainingszentrum für Deutschland e.V. – etwa 35 Kilometer östlich von Berlin gelegen. Die Anlage ist eine der modernsten europäischen Stützpunkte für den Hochleistungssport und bietet Athletinnen und Athleten sowohl in Bezug auf die Sportstätteninfrastruktur als auch auf regenerative Einrichtungen, Verpflegung, Unterkünfte und Freizeitgestaltung das Umfeld, welches für die Entwicklung von Spitzenleistungen notwendig ist.

Personal und Infrastruktur

Die intensive Begleitung der Athletinnen und Athleten durch alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beider Bundespolizeisportschulen ist ausschlaggebend für die hohe Berufsidentifikation und stellt die Vertrauensbasis für den Erfolg im Sport und in der polizeilichen Ausbildung dar.

Bestens ausgebildete Trainer mit umfassender und tiefgreifender Expertise betreuen die Athletinnen und Athleten beim ausbildungsbegleitenden Training und arbeiten eng mit den Heim-, Stützpunkt-, Landes- sowie Bundestrainern der Spitzensportlerinnen und Spitzensportler zusammen. Eine eigene leistungssportliche Vergangenheit mit entsprechendem Erfahrungsschatz ist ebenso obligatorisch wie ein hohes Maß an Vernetzung im jeweiligen Spitzensportverband, um alle sportfachlichen Belange leistungsorientiert gestalten zu können.

Die physiotherapeutischen Teams der Bundespolizeisportschulen arbeiten sowohl in der Regeneration, unmittelbaren Trainingsunterstützung sowie auch in der Rehabilitation bei auftretenden Verletzungen. Hierbei wird die Kooperation mit verschiedenen anerkannten medizinischen Fachrichtungen und den jeweiligen spezialisierten Fachärzten der Spitzensportverbände gepflegt, um eine schnellstmögliche Genesung der Sportlerinnen und Sportlern zu gewährleisten.

In beiden Standorten sind hochmoderne Schulungs- und Trainingsstätten, adäquate Unterkünfte sowie eine optimale Infrastruktur vorhanden. Bis hin zu einer sportlergerechten Ernährung sind optimale Rahmenumstände gewährleistet.

 

 

 

 

 

 

Bewerbung und Auswahl

Einem jährlichen Bewerbungsaufruf folgend bewerben sich Sportlerinnen und Sportler über den jeweiligen Spitzensportverband für eine Aufnahme in die Spitzensportförderung der Bundespolizei. Der Verband nimmt dabei eine Filterfunktion aus sportfachlicher Sicht wahr und unterbreitet der Bundespolizei einen (vom DOSB bestätigten) Vorschlag.

Neben den allgemeinen Voraussetzungen für den Polizeivollzugsdienst in der Bundespolizei müssen Bewerberinnen und Bewerber einem Nationalmannschafts-Kader der Sportverbände angehören und nach einer individuellen Prognose das Potenzial besitzen, Höchstleistungen auf Weltniveau zu erzielen. Unabhängig davon kommen nur Sportlerinnen und Sportler in Betracht, die hinsichtlich ihrer Berufsmotivation eine polizeiliche Ausbildung anstreben, da das Verständnis von dualer Karriere bei der Bundespolizei den Aspekt einer dauerhaften Berufsausübung nach dem sportlichen Karriereende umfasst.

Die Entscheidung, ob und welche Athletinnen und Athleten eingestellt werden, obliegt der Bundespolizei und wird auf Grundlage eines Eignungs- und Auswahlverfahrens getroffen. Jedes Jahr werden grundsätzlich bis zu 24 Bewerberinnen und Bewerber zum 1. August in Bad Endorf bzw. 1. September in Kienbaum eingestellt.

Polizeiliche Ausbildung

Die Bundespolizei bildet Spitzensportlerinnen und Spitzensportler zu Polizeivollzugsbeamtinnen und Polizeivollzugsbeamten im mittleren Polizeivollzugsdienst aus.

Die Ausbildung dauert insgesamt dreieinhalb Jahre. Sie sieht einen Wechsel zwischen der polizeifachlichen Ausbildung und der Trainings- und Wettkampfphase vor. Die Ausbildung wird in 4 Abschnitten mit jeweils 4 zusammenhängenden Monaten pro Jahr durchgeführt. Der vierte Ausbildungsabschnitt umfasst 6 Monate und schließt mit der Laufbahnprüfung ab.

Durch einen an die Bedürfnisse des Spitzensports angepassten Ausbildungsplan ist es den Athletinnen und Athleten möglich, parallel zur polizeifachlichen Ausbildung das erforderliche sportartspezifische Training zu absolvieren. So steht ausreichend Zeit für die Saisonvorbereitung und die Wettkampfsaison bei gleichzeitig vollständiger und umfassender Ausbildung zur Verfügung.

Die Sportlerinnen und Sportler werden nach der Ausbildung für die Dauer ihrer sportlichen Laufbahn vollständig freigestellt. Der Praxisbezug zum Polizeivollzugsdienst wird mit einem jährlichen Praktikum in einer Bundespolizeibehörde oder -dienststelle gewährleistet.

Spitzenplatzierungen bei nationalen und internationalen Großveranstaltungen

Die Erfolgsbilanz unterstreicht die Attraktivität der Dualen Karriere bei der Bundespolizei und zeigt, dass die Spitzensportförderung der Bundespolizei nachhaltig erfolgreich und eine tragende Säule für den Erfolg deutscher Mannschaften ist.

Bei den Olympischen Winterspielen in PyeongChang im Jahr 2018 gehörten 22 von der Bundespolizei geförderte Spitzensportlerinnen und Spitzensportler dem deutschen Olympia-Aufgebot an. Der Anteil der Bundespolizei am deutschen Olympia-Aufgebot betrug demnach 14 Prozent. Damit hat sich jeder vierte aktuell geförderte Athlet der Bundespolizeisportschule Bad Endorf qualifiziert.

Bilanz bei Olympischen Spielen

Olympische Spiele

Gesamtteilnehmer
Medaillen (Gold, Silber, Bronze)

Angehörige Bundespolizei
Medaillen (Gold, Silber, Bronze)

Vancouver 2010

153
30 (10, 13, 7)

25
8 (1, 3, 4)

London 2012

392
44 (11, 19, 14)

25
11 (4, 5, 2)

Sotschi 2014

152
19 (8, 6, 5)

23
10 (6, 3, 1)

Rio de Janeiro 2016

449
42 (17, 10, 15)

24
10 (8, 1, 1)

PyeongChang 2018

153
31 (14, 10, 7)

22

11 (6, 2, 3)

Die Sportlerinnen und Sportler errangen in der Nationenwertung insgesamt 11 Medaillen (6x Gold, 2x Silber und 3x Bronze). Sie haben damit rund 35 % aller Medaillen sowie rund 43 % aller Goldmedaillen beigetragen. Zudem wurden drei 4. Plätze erreicht.

Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro im Jahr 2016 haben die Spitzensportlerinnen und Spitzensportler der Bundespolizei an die Leistungen und Erfolge von London angeknüpft: Unter den 449 Athletinnen und Athleten der Deutschen Olympiamannschaft befanden sich 24 Sportlerinnen und Sportler der Bundespolizei. Dies entspricht einem Anteil der Bundespolizei-Athletinnen und -Athleten von 5 %.

Die Spitzensportlerinnen und Spitzensportler der Bundespolizei errangen in der Nationenwertung insgesamt 10 Medaillen (8x Gold, 1x Silber und 1x Bronze). Sie haben damit rund 24 % aller Medaillen sowie rund 47 % aller Goldmedaillen beigetragen. Zudem wurden weitere 12 Top-10-Platzierungen erreicht.