Ruderer Johannes Weißenfeld

Foto: Yannick Schurwanz

Sportlicher Werdegang:

  • 2016: Olympische Spiele, Ersatzfahrer
  • 2017: 1. Platz EM 8+ in Racice
  • 2017: 1. Platz WM 8+ in Sarasota
  • 2018: 1. Platz EM 8+ in Glasgow
  • 2018: 1. Platz WM 8+ in Plovdiv
  • 2019: 1. Platz EM 8+ in Luzern

Beruflicher Werdegang:

  • 2012: Abitur in Herdecke am Friedrich-Harkort-Gymnasium
  • 2013-15: Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr
  • seit 2015: Studium Humanmedizin an der Ruhr-Uni Bochum

Zum Rudern bin ich durch reinen Zufall gekommen. Wir hatten einen Lehrer an unserem Gymnasium in Herdecke, der Rudern unterrichtet hat. Er hat etwas in mir gesehen und mich daraufhin dem Trainer des Ruderclubs vorgestellt.

Es gab keinen bestimmten Moment, indem ich mich für den Leistungssport entschieden habe. Ich wuchs über Jahre in den Sport hinein. Mit Erfolgen auf kleinen Wettkämpfen bekam ich immer mehr Motivation noch eine Schippe draufzulegen und immer weiter zu machen.

Mein Abitur absolvierte ich 2013 in Herdecke am Friedrich-Harkort-Gymnasium. Ich strebte schon immer das Abitur an, weil ich vermutlich nie eine andere Wahl hatte. Ich glaube da spielen familiäre Hintergründe eine sehr große Rolle. Meine Eltern und mein großer Bruder lebten mir das quasi vor, daher habe ich nie über eine Alternative nachgedacht. Zur Schulzeit wusste ich allerdings noch gar nicht, welchen Beruf ich anstreben wollte. Ich war der erste Jahrgang, der nach nur acht Jahren das Abitur gemacht hat. Das war für mich definitiv zu kurz, weil ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, was ich genau machen möchte. Eine grobe Orientierung bestand zwar, aber ein Studium ist häufig schon sehr spezifisch und richtungsweisend.

Während meiner Schulzeit konnte man schon erahnen, wo es sportlich für mich hingehen könnte. Aber die sportliche Laufbahn ist auch immer durch sehr viele Zufälle und Glück geprägt. Man kann nie wissen, ob man es tatsächlich schafft, bis in die Elite des Sports vorzudringen.

Allerdings bekam ich am OSP in Dortmund, durch das gemeinsame Training mit den Besten der Sportart, schon einen guten Eindruck, was auf mich zukommen könnte. Ich hatte das Glück, dass es für mich persönlich kaum Barrieren gab, da meine Sportstätte sehr nah an meiner Schule war und die Schule sich äußerst kooperativ zeigte, was den Leistungssport angeht.

In dieser Zeit hat mich vor allem mein damaliger Heimtrainer Guido Kutscher begleitet, der mir alle Möglichkeiten aufgezeigt hat, wie z.B. die Laufbahnberatung am OSP Westfalen. Daraufhin habe ich Herrn Ulrich Vetter als Berater für alle Fragen rund um Ausbildung, Studium und Sport kontaktiert.

Nach der Schule absolvierte ich zunächst den Freiwilligendienst der Sportfördergruppe der Bundeswehr, um ein weiteres Jahr Zeit zur Orientierung zu bekommen. Außerdem gab es den Gedanken, ein Medizinstudium zu beginnen, ich mir jedoch im Klaren darüber war, dass es mit meinem NC nicht so leicht werden würde auf Anhieb einen Platz zu bekommen. Daher kam mir das Jahr bei der Bundeswehr sehr gelegen.

Anschließend hat mir mein Laufbahnberater geholfen, einen Studienplatz im Fach Medizin zu erhalten, was ja bekannter Weise nicht besonders leicht ist. So konnte ich mit dem Studium der Humanmedizin an der Ruhr-Universität in Bochum beginnen. Das hat mich schon immer sehr interessiert, da ich insbesondere durch den Leistungssport Interesse am menschlichen Körper entwickelt habe und welche Vorgänge in ihm von statten gehen.

Beim Studium ist nicht die Komplexität das Problem, sondern dass man häufig in Trainingslagern ist und dadurch Pflichttermine verpasst.

Mit der Ruhr-Universität Bochum besteht eine außerordentlich gute Kommunikation was den Leistungssport und das Studium betrifft. Die Uni hilft einem, wo sie nur kann und schafft es sogar, uns Sportlern Klausuren in den Trainingslagern zu ermöglichen. Sie gewährt Sportlern extrem viel Flexibilität.

Ich kann anderen Sportlern nur raten, sich gut mit den Professoren und allen Leuten zu stellen, die einem im Studium begleiten. Seid höflich, diszipliniert, haltet euch an Absprachen und nutzt das Entgegenkommen der Uni nicht aus. Denn diese gute Kommunikation zwischen der Uni und den Sportlern funktioniert nur so gut, weil die Athleten vor euch einen guten Eindruck hinterlassen haben und Sportler deswegen hoch angesehen sind bei den meisten Professoren. Also tut ihr es nicht nur für euch, sondern auch für alle nachfolgenden Sportler.

Mein Ziel ist es, Arzt zu werden. Mit meinem Laufbahnberater habe ich noch nicht darüber gesprochen, wie man den Berufseinstieg mit dem Sport verbinden kann. Dieser Weg ist sicherlich ein etwas anderer, als wenn ich beispielsweise in die Wirtschaft gehen würde.

Ich habe viele junge Athleten sagen hören, dass sie lieber mit dem Leistungssport aufhören möchten, um dann ein besseres Abitur zu machen. Was ich ihnen mitgeben möchte ist, dass niemand von ihnen erwartet, dass sie 2-3 Mal am Tag trainieren. Außerdem ist das in meinen Augen häufig einfach nur eine Ausrede, um wieder in seine persönliche „Komfortzone“ zu kommen.

Ich hätte persönlich kein besseres Abitur gemacht, wenn ich keinen Sport betrieben hätte.

 

 

Außerdem war diese Zeit sehr prägend, weil natürlich ein besseres Zeitmanagement notwendig ist, was man für sein restliches Leben sehr gut gebrauchen kann. Also sollte es jeder wenigstens versuchen und nicht direkt davon ausgehen, dass man es nicht schaffen kann.

Ich persönlich würde alles rückblickend genauso machen.