Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz

Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz. Foto: Dirk Fusswinkel, www.footcorner.de

Sportlicher Werdegang:

  • 2017: WM-Bronze 100 m Hürden
  • 2016: Hallen-WM-Bronze 60 m Hürden
  • 7-fache Deutsche Meisterin (davon 5 x in er Halle)

Beruflicher Werdegang:

  • 2011: Abitur an der EdS Bochum
  • 2011: Start des Grundschullehramts-Studium an der TU Dortmund
  • 2017: Bachelorabschluss Grundschullehramt und Start des Masterstudiums

Als ich klein war habe ich alle möglichen Sportarten ausprobiert, bevor ich mich in der 3. Klasse für Leichtathletik entschied. Das war eher die Idee meiner Mutter, aber ich habe direkt Spaß daran gefunden und so startete ich mit den ersten Schritten in Baunatal. Mit 16 war dann auch meine Disziplin gefunden: die 100m Hürden. Um den Fokus noch mehr auf den Sport legen zu können, wechselte ich mit 16 Jahren nach Bochum-Wattenscheid und wohnte von da an im Sportinternat in Bochum.

Die Zeit auf dem Sportinternat habe ich wirklich genossen und es war alles ideal mit der Eliteschule des Sports in Bochum, dem Märkischen Gymnasium, abgestimmt. Durch den Laufbahnberater vor Ort, Elmar Stumpe, waren Freistellungen für das Früh- oder Nachmittagstraining organisiert und auch für regelmäßige Nachhilfe im Internat war immer gesorgt. So machte ich 2011 mein Abitur, um direkt im Anschluss mit dem Studium zu beginnen. Ich wusste schon vor meinem Schulabschluss, dass es eine Profilquote für Sportler gibt.

Aber ich möchte dennoch allen jungen Sportlern den Tipp geben, dass sie das Abitur so gut wie möglich abschließen sollten. Das öffnet einem doch ganz andere Türen und man sollte sich nicht auf dieser Möglichkeit ausruhen. In meinem ersten Studiensemester wohnte ich auch noch im Internat, fühlte mich dann aber unter den „Jüngeren“ nicht mehr ganz wohl und suchte mir so meine erste eigene Wohnung.

Direkt nach meinem Abitur startete ich mit dem Grundschullehramt-Studium an der TU Dortmund. Ich wusste, dass ich gerne etwas mit Kindern machen wollte und rückblickend war das Studium auch eine gute Wahl. Dennoch wäre ich gerne noch besser über viele verschiedene Optionen informiert worden. Es ist definitiv ein guter Beruf für mich, aber mit 18 weiß man nicht immer unbedingt, was für eine Karriere man später einschlagen möchte und wie die berufliche Zukunft aussehen kann. Deswegen ist es überhaupt nicht schlimm, sich nach ein paar Semestern umzuentscheiden. Im letzten Jahr, 2017, habe ich meinen Bachelorabschluss gemacht und befinde mich nun im Masterstudium. Leider ist es oft nicht einfach, alle Kurse, die ich mir im Semester vornehme, auch wirklich zu absolvieren. Manchmal wünschte ich, es gäbe nicht so viele Präsenzzeiten und man könnte als Sportler noch flexibler studieren und Teile als Fernstudium absolvieren. Gerade im Sommer bin ich sehr viel unterwegs. In Trainingslagern, bei Wettkämpfen und viele Meetings sind auch mitten in der Woche, da wird es manchmal schwer, das alles zu vereinbaren. Als ich meinen Bachelor geschafft hatte, ist auch erstmal eine riesige Last von mir abgefallen.

 

Das war wie eine „Hürde“ für mich, die manchmal so unüberwindbar schien. Aber auch das habe ich erfolgreich gemeistert. Ich habe mir definitiv vorgenommen, mir auch weiter Zeit mit meinem Studium zu lassen und so lange ich Leistungssport betreibe auch weiter zu studieren. Ein Beruf wäre mit meinem Sportpensum nicht vereinbar. Zudem überlege ich, ob ich noch Mitglied in der Sportfördergruppe der Bundeswehr werde. Das ist eine optimale Möglichkeit seinen Sport zu betreiben, zu studieren und trotzdem noch eine finanzielle Absicherung zu haben. Gerne hätte ich mich auch schon früher dazu entschieden, war aber teilweise nicht gut genug informiert. Das Praxissemester, dass ich natürlich als angehende Lehrerin absolvieren muss, möchte ich gerne ans Ende meines Studiums setzen, damit ich dann auch keine Schwierigkeiten habe, Sport und Arbeit zu vereinbaren. Mittlerweile habe ich auch immer mehr Interesse am gesamten Sportsystem und sehe eventuell auch da eine Zukunft. Aber es wird sich zeigen, wie es nach meiner Leistungssportkarriere weitergeht. Erstmal steht der Sport im Fokus.

Es ist immer wichtig, sich ins Gedächtnis zu rufen, dass nicht alleine der Sport und vor allem das Training wichtig ist, sondern das ganze Umfeld, das dazu beiträgt. Seit Jahren kann ich mich auf den Olympiastützpunkt Westfalen verlassen. Insbesondere mit der Sportpsychologin Gaby Bussmann arbeite ich seit Jahren sehr gut zusammen und auch die Physiotherapie in Bochum ist einfach super. Auf so etwas muss man sich als Leistungssportler verlassen können. Auch die Biomechanik und Leistungsdiagnostik nimmt einen immer größeren Stellenwert ein und so arbeite ich auch erfolgreich mit Tobias Alt vom OSP Westfalen zusammen. Ich würde allen jungen Athleten raten, sich Unterstützung zu holen und wirklich alle Serviceleistungen, die es für Sportler gibt, zu nutzen. Nur so kann man sich voll auf sich und den Sport konzentrieren. Im Studium kann man sich ruhig Zeit lassen. 

Selbst Nicht-Sportler legen ein Studium häufig nicht in Regelstudienzeit ab und als Athlet ist es vollkommen legitim länger zu studieren. Rückblickend war das auch einer meiner Fehler in den ersten drei Semestern. Ich dachte, ich müsste alles perfekt organisiert durchziehen. Alle Kurse belegen, erfolgreich absolvieren und dazu muss noch alles beim Sport perfekt laufen. Damit habe ich mich selbst überfordert und hatte keine Zeit mehr für genügend Regeneration. Diese Zeit war auch eine sportliche Durststrecke für mich. Aber ich habe mich daraus gekämpft und für mich persönlich einen besseren und entspannteren Weg gefunden. Umso glücklicher bin ich nun, wie es aktuell läuft. Ich blicke Tokio 2020 entgegen und freue mich auf alles, was noch kommt.