Para-Ski-Sportler Martin Fleig

Para-Ski-Sportler Martin Fleig. Foto: Luc Percival

Sportlicher Werdegang:

  • 2017: 2 x WM Gold, 2 x WM Bronze
    Sieger Gesamt-WC
  • 2015/16: 2 x Platz 3 Biathlon-WC, 2. Platz Gesamt-WC
  • 2014/15: WM-Bronze
    Paralympics: 2 x Platz 8, 2 x Platz 9

Beruflicher Werdegang:

  • 2010: Fachhochschulreife an der EdS Max-Weber-Schule Freiburg
  • 2010-13: Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald
  • ab 2013: Anstellung als Verwaltungsfachangestellter beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald

Ich lebe seit meiner Geburt mit einer Behinderung, einer sogenannten spina bifida, die mich in den Beinen und der Hüfte einschränkt und auch eine verzögerte körperliche Entwicklung zur Folge hat. Meine Eltern sahen schnell, dass vielfältige Bewegungserfahrungen dafür die beste Therapie waren und nahmen daher jede Gelegenheit für mich war, die sich bot. Am Anfang waren dies unter anderem regelmäßige Schwimmkurse im Schwimmbad der Schule für Körperbehinderte in Emmendingen-Wasser. Dadurch wiederum entstand der erste Kontakt zur Sportart Ski nordisch. 

Organisatoren eines Schnupperkurses für Kinder  und Jugendliche mit Behinderungen kamen auf den Leiter des Schwimmkurses zu und fragten ihn nach geeigneten Kandidaten dafür. Der wiederum verwies auf mich und so kam ich mit 9 Jahren zum Wintersport, was sich im Nachhinein als eine nicht unerhebliche Weichenstellung erwies.

Bis zum mittleren Bildungsabschluss besuchte ich Schulen in der Nähe unserer Wohnung, einfach wegen der kurzen Fahrtzeiten für meine Mutter. Da sich der Trainingsumfang aber mit den steigenden Erfolgen kontinuierlich steigerte, war klar, dass  an einer Schule ohne spezielle Betreuung für Leistungssportler die Vereinbarung von Schule und Leistungssport nicht mehr möglich war. Nachdem ich bereits ein Jahr vorher aufgrund der Aufnahme in den C-Kader Kontakt zum Laufbahnberater des Olympiastützpunkts Freiburg-Schwarzwald, Jürgen Willrett, aufgenommen hatte, konnten wir den Wechsel auf eine Partnerschule des OSP langfristig vorbereiten. An der Max-Weber-Schule konnte ich dann die Fachhochschulreife machen und auch bereits erste Erfahrungen im Weltcup sammeln.

Schülertutoren, Koordinationslehrer und Lehrer für den Nachholunterricht unterstützten mich beim Aufarbeiten von Lernstoff, den ich aufgrund von Training und Wettkampf verpasste. Neben der üblichen schulischen Betreuung für Leistungssportler war es auch einfach die Hilfsbereitschaft aller, die mir dort guttat. So erhielt ich z.B. einen Schlüssel für den Aufzug, damit ich überall hingelangen konnte. Außerdem waren auch noch andere Leistungssportler da, sodass einfach mehr Verständnis insgesamt für den Sport vorhanden war.

Nachdem ich dann im Abschlussjahr (2010) die Qualifikation für die Paralympics in Vancouver nur knapp verpasst hatte und bereits im Jahr davor in der Staffel einen WM Einsatz bekommen hatte, war klar, dass ein spitzensportfreundlicher Anschluss an die Schule gefunden werden musste. Studieren wollte ich nicht, also war das Ziel ein solider Ausbildungsplatz mit genügend Freiraum für das immer weiter zunehmende Training. Im Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald fand der Olympiastützpunkt dann einen Partner, der beides geboten hat. Die Landrätin hat sich hier dankenswerter Weise sehr für mich eingesetzt.  

Das Training nahm natürlich immer mehr zu, so dass es nicht ganz einfach war, alles unter einen Hut zu bringen Schließlich nahmen wir 2012 mehrere Modifikationen an der Sitzposition im Schlitten vor und zusammen mit der zunehmenden Kraftentwicklung im Oberkörper stellten sich auch bald die ersten internationalen Erfolge ein. 2014 konnte ich mich so für die Paralympics in Sotchi qualifizieren und dort mit zwei 8. Plätzen und zwei neunten Plätzen im Biathlon und Langlauf abschließen.

Bereits im letzten Jahr der Ausbildung fanden die ersten Gespräche zwischen dem Landratsamt, dem Laufbahnberater am OSP, meinem Bundestrainer, Ralf Rombach, und mir statt, um die Übernahme in ein spitzensportfreundliches Anstellungsverhältnis zu sondieren. Wieder zeigte sich das Landratsamt unglaublich aufgeschlossen und wir vereinbarten für den olympischen Zyklus bis 2018 eine Regelung, nach der ich zu 100% angestellt war und flexibel mit ca. 50% der Zeit für den Sport freigestellt werde. Das heißt, dass ich auch längere Phasen abwesend sein kann und dafür dann in weniger intensiven Trainingsphasen etwas mehr arbeite. Bis zum letzten Jahr wurde das vom Landratsamt selbst abgedeckt, seit Mai 2017 kommt über die Top-Team Förderung des DBS zusammen mit der Stiftung Deutsche Sporthilfe ein Teil als Verdienstausfallerstattung. Ich freue mich natürlich, dass ich diese Unterstützung mittlerweile durch gute Leistungen etwas zurückzahlen kann und bemühe mich auch selbst Flexibilität an den Tag zu legen, also bspw. auch mal einzuspringen, wenn Kollegen krank sind. 

Diese wiederum fiebern mit mir und unterstützen mich ebenfalls durch ihre Bereitschaft, auch für mich einzuspringen. Bereits 2015 und 2016 konnte ich dann bei den Höhepunkten Medaillen und Podiumsplatzierungen erreichen und habe im Winter 2017 den Gesamt Weltcup sowie zwei Weltmeistertitel gewinnen können. Das bringt mich für die Paralympics in Pyeongchang natürlich in eine gewisse Favoriten-Position, aber ich weiß natürlich, dass es schwer wird eine Medaille oder gar einen Sieg zu erringen. Daher will ich mir eigentlich gar nicht so viel vornehmen, sondern hoffe einfach darauf meine beste Leistung dort abliefern zu können.

Nach den Spielen werde ich von zu Hause aus- und mit meiner Freundin zusammenziehen. Das wird eine Umstellung werden, an die ich mich auch erst einmal gewöhnen muss. Dann muss ich für mich entscheiden, ob und wie lange ich den Leistungssport weiter betreiben möchte. Dazu werde ich mich dann mit den Leuten besprechen, die mir auch in der Vergangenheit als Ratgeber zur Seite gestanden haben - dem Laufbahnberater des OSP, meinen Trainern, meiner Freundin sowie meiner Familie.