Degenfechterin Britta Heidemann

Britta: "Im Großen und Ganzen würde ich alles noch einmal genauso machen!"

Sportlicher Werdegang

  • 2007: Weltmeisterin
  • 2008: Olympiasiegerin
  • 2009: Europameisterin
  • 2012: Silber Olympische Spiele

Beruflicher Werdegang

  • 2001: Abitur
  • 2008: Studium Regionalwissenschaften China
  • seit 2008: Referentin, Buchautorin und freie Unternehmsberaterin
  • seit 2016: in der IOC-Athletenkommission

Der Start in die Duale Karriere...

Ich habe das Abitur angestrebt, aber das war auch nie ein Thema in Familiengesprächen. Ich wusste kaum, dass es überhaupt andere Schul- und Abschlussformen gibt. Ich gehörte zu denjenigen Schülern, die nach dem Abitur viele Möglichkeiten durchspielten und sich nicht gut entscheiden konnten. Am Ende habe ich mich für zwei Studiengänge eingeschrieben und in beide hineingeschnuppert, bis ich mich für ein Fach entschieden habe. Es ist heutzutage schwierig, zwischen den vielfältigen Angeboten zu entscheiden.

In der Oberstufe kam ich in die Junioren-Nationalmannschaft und lernte somit bereits früh den aufwendigen Spagat zwischen Schule und Leistungssport kennen.

Eine Duale Karriere ist bei dem sportlichen Aufwand mit seinem vielen Training und den langen Wettkampfreisen anstrengend, aber bei guter Unterstützung und einem disziplinierten Selbstmanagement zu schaffen. Und: Es lohnt sich!

Bis heute sind meine Eltern und meine ganze Familie die engsten Ratgeber und Vertrauten. Es ist wichtig, ehrliche Meinungen zu hören von Menschen, denen man wichtig ist und die sich weitsichtig Gedanken machen.

Ein Schulabschluss als "wichtigster Baustein"...

Mein Abitur habe ich 2001 am Apostelgymnasium in Köln gemacht. Bereits während des Abiturs habe ich mich intensiv über die verschiedensten Studiengänge informiert, über duale Studiengänge genauso wie über die klassischen Studienangebote an der Universität Köln. Ich hatte ganz unterschiedliche Ideen im Kopf, von Pilot bis Tierarzt war alles möglich.

In der Schule hatte ich das Glück, eine gute Schülerin zu sein. Daher wurden mir keine Steine in den Weg gelegt, wenn ich mal bereits donnerstags zu einem Weltcupturnier reisen oder auch mal eine Klausur nachschreiben musste.

Jungen Sportlern würde ich mitgeben, dass der Schulabschluss der wichtigste Baustein für das spätere Leben ist; also um eine weiterführende Ausbildung überhaupt angehen zu können. Bei der Koordination in der Schule seid Ihr auf Eure Eltern und die Unterstützung aus der Sportstruktur angewiesen. Für Klausuren und den Unterricht könnt Ihr Euch selbst vorbereiten. Versucht, Euch bei Euren Zeiten zum Lernen nicht ablenken zu lassen. Konzentriertes Arbeiten bewirkt eine Menge, wie im Sport auch.

Die kleinen und größeren Probleme im Studium in den Griff kriegen...

Im Studium hatte ich besonders in den ersten beiden Studienjahren kleine wie größere Probleme, die Anforderungen des Leistungssports mit den Anwesenheitszeiten der Uni zu vereinbaren. Es gab teilweise Vorurteile wie etwa "Wer nicht Vollzeit studiert, KANN das gar nicht schaffen" und dass man sich als Sportler bessere Noten erschleichen möchte. Dabei habe ich u.a. nach Kompromisslösungen gesucht wie Extraarbeiten zur Kompensation einer Fehlstunde. Insgesamt finde ich es bis heute unverständlich, wieso man zwei mal unentschuldigt fehlen, also schwänzen, darf, aber nicht drei mal entschuldigt! Nach einigen guten Klausuren wendete sich das Blatt, die Dozenten wurden aufgeschlossener. Man braucht Ausdauer!

Anfangs scheint es, als gäbe es überall Hürden und Probleme. Aber sie lassen nach, wenn Ihr die ersten Tücken überwunden habt. Verlasst Euch auf Euch selbst, geht zu den Dozenten und Professoren, erklärt Eure Situation und nehmt Euch dafür Zeit. Plant das mit ein. Macht ihnen klar, dass Ihr nicht für keine Leistung eine gute Note wollt, sondern einfach Zeitflexibilität, und bietet Sonderarbeiten an. Wenn es die Möglichkeit gibt, bindet den OSP mit ein.

Kurz vor den Olympischen Spielen 2008 habe ich dann meine letzte Diplomprüfung geschrieben.

Auch nach Olympiasieg und Diplomarbeit geht es weiter.

Jetzt bin ich Regionalwissenschaftlerin Chinas mit dem Schwerpunktfach BWL. Meine Diplomarbeit habe ich über Erneuerbare Energien Chinas geschrieben. Seit meinem Olympiasieg 2008 in Peking begleite ich regelmäßig Wirtschafts-, Kultur- und auch politische Delegationen ins Reich der Mitte. Das neben dem Spitzensport zu koordinieren ist nicht einfach, disziplinierte Zeitplanung gehört dazu.

Mein Training gestalte ich in enger Absprache mit meinem Trainer und dem Bundestrainer und inzwischen auch aus viel eigener Erfahrung. Dabei trainiere ich sowohl in meinem Verein als auch im Bundesleistungszentrum und natürlich im Rahmen der Bundeskaderlehrgänge.

Außerdem arbeite ich viel mit Physiotherapeutin Anja Löhr am OSP und seit Jahren im Lauf- und Athletiktraining mit meinem Vater. Und im Fall der Fälle ist auch eine hervorragende Sportmedizin sehr wichtig. Es gibt ausreichend gute und kompetente Angebote. Wichtig ist die richtige Wahl und auch Verfügbarkeit zum richtigen Zeitpunkt.

Ich rate Euch: nehmt Herausforderungen an und geht sie mit Begeisterung an! Setzt Euch keine zu engen Grenzen, dann ist mehr drin, als Ihr Euch jemals erträumt habt! Habt vor allem Freude an dem, was ihr tut - denn mit einer gewissen Leichtigkeit steht man Drucksituationen viel besser durch!