Zehnkämpfer Jan-Felix Knobel

Zehnkämpfer Jan-Felix Knobel: was wiegt schwerer?

Sportlicher Werdegang

  • 2008: U20-Weltmeister
  • 2011: persönliche Bestleistung 8.288 Punkte

Beruflicher Werdegang

  • 2008: Abitur
  • seit 2009: Studium Architektur (B.A.)

Auf dem Weg zum Abitur...

Für mich war klar, dass ich mit der allgemeinen Hochschulreife (Abitur) abschließen wollte. Irgendwann gab es die Option, auf die Sportschule nach Frankfurt zu wechseln. Ich entschied mich dagegen, da ich meine Schule am Heimatort mit einem 3 minütigen Schulweg besuchen konnte und ich zu Hause beste Bedingungen hatte. Zudem war ich in Sportvereinen im gleichen Ort und konnte so Schule und Sport gut verbinden.

Eine berufliche Zielrichtung gab es bis zur Oberstufe nicht. Ich hatte während der Schulzeit einige Praktika in verschiedenen Bereichen absolviert. Während der 12. und 13. Klasse kristallisierte es sich heraus, dass ich mich zu einem kreativ-kommunikativen Studium hin orientieren wollte.

Meine Interessen waren breit angelegt. Ich interessierte mich sowohl für naturwissenschaftliche Fächer als auch für Fremdsprachen und Kunst.

Ich habe immer die Herausforderung gesucht. Genau wie im Sport hatte ich den Antrieb, auch in der Schule gute Leistungen zu erbringen. Außerdem war mir klar, dass der Sport den ich gewählt hatte, nicht mein Brotverdienst sein kann und das Sportlerleben auch jäh ein Ende finden kann. Mir war bewusst, dass ich zweigleisig fahren muss, und dass ein gutes Abitur die Grundlage für mein späteres Weiterkommen ist. Die Umsetzung an einer Schule ohne besondere Sportorientierung war nicht immer leicht, da bei manchen Lehrern das Verständnis für meine Doppelbelastung fehlte.

2008 schloss ich mit einem sehr guten Abitur ab und wurde parallel Weltmeister im Zehnkampf der U20 - Doppelbelastung war kein Fremdwort. Aber genau diese Doppelbelastung bringt einen weiter. Ich habe damals die Erfahrung gemacht, dass sich Sport und Schule gegenseitig positiv bedingen. Lief es im Sport, dann lief es auch in der Schule. Genau das Selbe bemerke ich auch heute immer wieder.

Orientierung finden mit Beratung...

Von zu Hause war immer Unterstützung da - und ist es auch immer noch. Beispielsweise hatte ich nach dem Abitur die Möglichkeit, mir ein Jahr Auszeit zu gönnen, um mich zu orientieren. Für mich stand fest, dass der Sport in den nächsten Jahren an erster Stelle steht und das Studium angepasst werden muss.

Klar war, dass ich in meinem Leben nach der sportlichen Karriere in einem dem Sport abgewandten Bereich arbeiten möchte und Sport nur noch Freizeitspaß bedeuten soll. Zusammen mit dem Laufbahnberater des OSP Hessen fand ich letztendlich das passende Studium.

Bevor ich das Studium der Architektur in Wiesbaden aufnahm, bewarb ich mich für den Studiengang Industriedesign in Darmstadt. In Gesprächen mit der Hochschule ergab sich aber recht schnell, dass das Studium zu zeitaufwändig ist um es mit dem Leistungssport zu kombinieren. An der Hochschule RheinMain in Wiesbaden fand ich einen Studiengang der für mich passte.

Das Studium mit Partnern koordinieren...

Durch Vermittlung meines Laufbahnberaters Arnulf Rücker traf ich auf einen Fachbereich, der auf meine Bedürfnisse eingestellt war. Ein wichtiger Aspekt ist sicherlich, dass die Hochschule RheinMain mit dem OSP Hessen eine Kooperationsvereinbarung eingegangen ist, um Hochleistungssportler zu fördern und sich seitdem „Partnerhochschule des Spitzensports“ nennt.

Ich war und bin begeistert wie entgegenkommend das Kollegium sich meinen Problemen stellt. Letztendlich sind es organisatorische Dingen und das Zeitmanagement. Dies sind sicher die Hauptgründe, warum das Studium abgesehen von der verlängerten Studiendauer so reibungslos abläuft. Ich finde an der Hochschule hilfsbereite Ansprechpartner, die es mir ermöglichen, dem Leistungsanspruch an mich und mein Studium gerecht zu werden.

Mittlerweile habe ich die Zulassung zur Bachelor Thesis und bin aktuell auf der Suche nach einem passenden Thema. Da ich ich mich zum heutigen Zeitpunkt meines Studiums auch nicht im klassisch-planerischen Architektenberuf sehe, sondern eher in einer kommunikativen Position, wäre der Bereich „Projektentwicklung“ ein mögliches Thema.

Wie es nach dem Bachelor weiter geht, weiß ich noch nicht, allerdings ist es nicht unrealistisch ein Master-Studium anzuschließen.

Schule, Studium und Spitzensport im persönlichen Gleichgewicht.

Rückblickend auf meinen bisherigen Werdegang gibt es wenige Dinge die ich anders machen würde. Während der Schulzeit musste ich viele Abstriche machen, weil ich wenig Zeit hatte. So nahmen das zumindest andere wahr. Ich sage: „Man vermisst nichts was, man nicht kennt. Vielleicht kann ich nicht auf irgendwelchen Partys rumhängen. Aber wenn für einen die Nationalhymne gespielt wird oder man in einem Stadion mit 80.000 Menschen auflaufen darf - an was wird man sich erinnern?“

Man sollte nie seine Ziele aus den Augen verlieren und immer am Ball bleiben! Speziell im Studium kann es eben auch länger dauern und man wird ungeduldig oder verliert zeitweise die Lust. So musste ich beispielsweise in Vorbereitung auf die Olympischen Spiele zwei Semester pausieren. Aber das Studium ist grundsätzlich ein super Ausgleich, der auch über Durststrecken wie zum Beispiel Verletzungen hinweg hilft. Für die Duale Karriere müssen Zeitmanagement und Umfeld stimmen und man selbst muss Willen und Engagement aufbringen!