Skispringer Andreas Wellinger

Quelle: Ralf Lienert

Sportlicher Werdegang

  • 2012: JWM Bronze
  • 2014: OS Gold (Mannschaft)
  • 2017: WM Gold Mixed, Silber Normalschanze, Silber Großschanze
  • Persönlicher Rekord im Skifliegen: 245m

Beruflicher Werdegang

  • 2015: Abitur am CJD Berchtesgaden (Eliteschule des Sports)
  • 2015: Einstieg Zoll Ski Team
  • seit 2016: Bachelor Betriebswirtschaft an der HAM Ismaning

Ich stand schon mit zwei Jahren auf den Skiern. Das war in unserer Familie normal. Mein Vater hatte Weltcup-Einsätze als Alpinskifahrer und auch meine Mutter ist früher Rennen gefahren. Als Kinder haben wir uns am Lift zuhause in Weißbach Schanzen gebaut und sind drübergesprungen. Mit 6 Jahren sah ich dann den Sven Hannawald im Fernsehen und wollte auch Skispringer werden. Meine Eltern haben mich dann ins Training nach Ruhpolding gefahren, weil dort die nächste Schanze stand.

Dort bekam ich eine ordentliche Ski Nordisch-Ausbildung und bin dann irgendwann auch mal von der Neunzig-Meter-Schanze gesprungen.  2008 habe ich mit Alpinskifahren aufgehört und bin mit 13 Jahren ins Skiinternat Berchtesgaden. Meine Mutter sagte dazu einmal: "Er ist mit Hurra abmarschiert von zu Hause." Mit 15 bin ich von den Kombinierern schließlich  zum Spezialsprung gewechselt.

Im Februar 2014 wurde ich Olympiasieger. Ein unglaublicher Sieg und einmaliges Erlebnis. Damals war ich noch in der Oberstufe auf dem CJD in Berchtesgaden, einer Eliteschule des Sports. Die ersten drei Monate des Jahres 2014 war ich eigentlich überhaupt nicht in der Schule. Die Unterstützung für uns Leistungssportler dort ist wirklich grandios. Sonst wären solche Erfolge überhaupt nicht möglich.

Die Fehlzeiten, die wir wegen Reisen, Training und Wettkämpfen haben sind enorm hoch und ohne die Unterstützung des CJD hätte ich den verpassten Lehrstoff niemals aufholen können. Das olympische Jahr 2014 war also extrem stressig, aber ich glaube, ich habe es ganz gut hinbe­kommen und es hat sich mehr als gelohnt.

2015 bin ich nach dem Abitur zum Zoll gegangen. Man ist dort abgesichert und hat während der zeitlich relativ kurzen Leistungssportkarriere entsprechenden Rückhalt. Dabei spielt es auch keine so große Rolle, welche Erfolge man schon vorzuweisen hat.

Auch finanziell könnte ich meinen Sport nicht so gut bewältigen, wenn es die Sport­förderung bei Behörden, wie dem Zoll, nicht gäbe. Insofern kann ich mich nur herzlich bedanken, dass es diese Möglichkeit für uns Leistungssportler gibt.

Im Sommer letzten Jahres habe ich nach intensiven Beratungsgesprächen mit dem Laufbahnberater des OSP Bayern und den Studienberatern der Hochschule für angewandtes Management (HAM) Ismaning ein BWL-Studium angefangen. Es handelt sich um ein Teilzeitstudium, in dem ich mir, egal wo ich bin, die Studieninhalte via Internet aneignen kann.

Aufgrund der Kooperation des OSP mit der HAM kommt man uns Leistungssportlern dort mit flexiblen Regelungen sehr entgegen. Und sogar ein Teilstipendium war für mich noch drin. So kann ich nun auch ein Studium optimal mit meinem Leistungssport vereinbaren und individuell anpassen.